Wie geht es Frauen in Indien?

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Besonders in der städtischen Mittelschicht zeigt sich immer mehr, dass Frauen Männern nicht nur ebenbürtig,sondern oft auch überlegen sind. Tausende indische Frauen haben studiert, sind erfolgreiche Unternehmerinnen, arbeiten in angesehen Berufsfeldern als Richterinnen oder Ärzte. Doch wie bei so Vielem in Indien, klafft es auch bei der Stellung der Frau in der Gesellschaft gewaltig. Vor allem auf dem Land, wo noch mehr als drei Viertel der Bevölkerung lebt, gelten Frauen als zweitklassig. Sie unterliegen den Launen ihrer Väter und Ehemänner.

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@mckaysavage 2008/ flickr

Das liegt daran, dass der Verhaltenskodex “Manu”, der etwa 200 n. chr. entstand noch immer tief in den Köpfen verwurzelt ist. Er besagt, dass die Frau, quasi als Leibeigene und Untergebene des Mannes, nur für ihn und die Familie da zu sein hat.

Sie darf nicht schlafen bevor er schläft, sie muss aufstehen bevor er aufwacht, sie darf nicht sitzen, wenn er steht, sie muss Misshandlungen über sich ergehen lassen. Der Glauben an jenen Kodex rechtfertigt in vielen Augen die tausenden Gewalttaten an Frauen, die bis zum Mord führen. Diese häufen sich mit dem Verlangen der Bevölkerung an der Konsumgesellschaft, die durch den Wirtschaftsboom Indien rasant wächst, teilzuhaben.

Die Familie einer Frau muss bei deren Verheiratung eine Mitgift zahlen. Viele Männer sehen diese Zahlung als Eintrittskarte in ein besseres, materielles Leben und verlangen Unsummen als Mitgift für ihre Gemahlin.Viele Familien können diesen Forderungen nicht nachkommen und  so passiert es nicht selten, dass die gerade frisch vermählten Frauen durch einen Mord, offiziell aber einem “Unfall am Herd” für die nichtgezahlte oder zu niedrige Mitgift bestraft werden. Zwar gibt es Gesetze, die Misshandlungen und Morde an Frauen mit hohen Strafen bezeichnen, sie scheinen aber nur in der Theorie Anwendung zu finden, denn etwa alle 3 Minuten wird eine Frau in Indien Opfer von Gewalt durch ihren Ehemann. 

Mädchen werden häufig abgetrieben. Nicht nur die hohen Mitgiften für Mädchen schrecken Familien ab Mädchen zu bekommen, sondern auch der Glaube, dass sie sowohl in Indien als auch im Ausland keinen Job finden können und die Familien daher finanziell nicht unterstützen können. Seit den 1970er Jahren sind Abtreibungen legal und sie boomen. Es zeigt sich heute bereits ein Ungleichgewicht in der Demografie Indiens, da es weitaus mehr Jungen als Mädchen gibt. Sollte der Trend anhalten, wird sich das Land in Zukunft ganz neuen Problemen stellen müssen.

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